it sucks
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"Jetzt will ich ein Geheimnis erzählen, das kein Mensch außer mir kennt: Ich habe eine Zwillingsschwester. Erzählt es niemandem! nicht einmal Mama und Papa wissen davon. Denn als wir vor langer Zeit geboren wurden, meine Schwester und ich - es war vor sieben jahren - da lief meine Schwester sofort hinaus und versteckte sich hinter dem großen Rosenbusch, der in der hintersten Ecke im Garten steht. Stellt euch vor, dass sie so weit laufen konnte, obwohl sie doch eben erst geboren war!
Wollt ihr wissen, wie meine Schwester heißt ?
Ihr glaubt natürlich, sie heißt Lena oder Birgitta oder so, wie Mädchen sonst eben heißen. Aber nein, da irrt ihr euch. Sie heißt Ylva-li.
Sagt das mehrere Male hintereinander, dann hört ihr, wie schön es klingt: Ylva-li, Ylva-li, Ylva-li. Ich selbst heiße nur Barbro. Aber Ylva-li spricht meinen Namen nie aus. Sie nennt mich "Allerliebste Schwester".
Ylva-li hat mich sehr gern. Papa hat Mama am liebsten, und Mama liebt von allen am meisten meinen kleinen Bruder, der im Frühling geboren wurde. Aber Ylva-li mag nur mich.
Gestern war es sehr heiß. Gleich morgens ging ich hinaus und setzte mich hinter den Rosenbusch, wie ich es immer tue. Er steht in einer Ecke des Gartens, wo nie jemand hinkommt.
Ylva-li und ich haben eine besondere Sprache, die niemand außer uns versteht. Der Rosenbusch heißt in unserer Sprache ganz anders. Er heißt Salikon. Als ich also dort beim Salikon saß, hört ich Ylva-li nach mir rufen.
"Kim hot!"
"Komm her", heißt das in unserer Sprache. Und da kroch ich durch das Loch. Genau unter dem Salikon ist ein Loch in der Erde. Da kroch ich hinein. Und dann stieg ich die lange, lange Treppe hinunter und ging durch den dunklen Gang bis zu der Tür, die in den Goldenen Saal führt, wo Ylva-li Königin ist. Ich klopfte an.
"Ist das Meine Allerliebste Schwester?" hörte ich Ylva-lis Stimme von drinnen.
"Ja", sagte ich.
"Nicko, öffne Meiner Allerliebsten Schwester", sagte Ylva-li. Und dann ging die Tür auf, und Nicko, der Zwerg, der für Ylva-li das Essen kocht, verneigte sich und grinste wie immer.
Ylva-li und ich umarmten uns lange. Aber dann kamen Ruff und Duff angerannt und bellten und sprangen um uns herum. Ruff und Duff, das sind unsere kleinen schwarzen Pudel. Ruff gehört mir und Duff gehört Ylva-li. Ruff freut sich immer so, wenn ich komme. Er leckt mir die Hände und wedelt mit dem Schwanz und ist so süß. Früher habe ich Mama und Papa oft gebeten, mir einen kleinen Hund zu schenken. Aber sie sagten, Hunde machen soviel Arbeit und seien dann auch teuer und außerdem gar nicht gut für meinen kleinen Bruder. Deshalb bin ich so glücklich über Ruff. Ylva-li und ich spielten eine ganze Zeit mit unseren Hunden und hatten viel Spaß. Dann gingen wir unsere Kaninchen füttern. Wir haben nämlich eine ganze Menge kleine weiße Kaninchen.
Ihr könnt eucht nicht vorstellen, wie herrlich es im Goldenen Saal ist. Die Wände leuchten von Gold. Mitten im Saal ist ein Springbrunnen mit ganz grünem Wasser. Ylva-li und ich baden oft darin.
Als wir die Kaninchen gefüttert hatten, beschlossen wir, ein bisschen zu reiten. Ylva-lis Pferd ist weiß. Seine Mähne ist aus Gold, und die Hufe sind aus Gold. Mein Pferd ist schwarz. Die Mähne und die Hufe sind aus Silber. Goldfunken und Silberfunken heißen unsere Pferde.
Wir ritten durch den Großen schrecklichen Wald, wo die Bösen wohnen. Die Bösen haben grüne Augen und lange Arme. Sie rannten hinter uns her. Sie sagten nichts. Sie schrien nicht. Rannten nur stumm hinter unseren Pferden her und streckten ihre langen Arme nach uns aus. Die Bösen wollten uns gefangennehmen und in die Große Schreckliche Höhle sperren. Aber Goldfunken und Silberfunken liefen so schnell, dass die Funken von ihren Hufen sprühten. Die Bösen blieben weit zurück.
Dann kamen wir auf die Wiese, wo die Artigen wohnen. Dahin können die Bösen nicht kommen. Sie müssen im Großen schrecklichen Wald bleiben. Dort standen sie nun am Waldrand und spähten mit ihren hässlichen grünen Augen zwischen den Bäumen hervor. Bei den Artigen hatten wir viel Spaß. Wir stiegen von den Pferden und setzten uns ins Gras. Goldfunken und Silberfunken wälzten sich auch im Gras und wieherten. Die Artigen, die weiche weiße Kleider und rote Wangen haben, kamen und boten uns herrliche Kuchen und Bonbons an, die sie auf kleinen grünen Tabletts trugen. Es gibt keine Bonbons, die so gut sind wie die, welche uns die Artigen anbieten.
Mitten auf der Wiese steht ein großer Kochherd. Das ist der Herd, wo die Artigen ihre Bonbons kochen und ihre Kuchen backen.
Später ritten wir zum schönsten Tal der Welt. Dorthin darf niemand kommen außer Ylva-li und mir. Dort singen die Blumen, und die Bäume machen Musik. Ein kleiner Bach mit klarem Wasser fließt durch das Tal. Der kann weder singen noch spielen. Aber er murmelt eine Melodie. Niemals habe ich eine schönere Melodie gehört. Ylva-li und ich standen auf der Brücke, die über den kleinen Bach führte, und hörten die Blumen singen und die Bäume musizieren und den Bach seine Melodie murmeln. Da packte Ylva-li mit einemmal fest meinen Arm und sagte:
"Allerliebste Schweseter, eins musst du wissen!"
In dem Augenblick tat mein Herz furchtbar weh.
"Nein!" sagte ich. "Ich will nichts wissen."
"Doch", sagte Ylva-li, "doch, eins musst du wissen."
Da hörten die Blumen auf zu singen und die Bäume zu musizieren, und ich konnte die Melodie des Baches nicht mehr hören.
"Allerliebste Schwester", sagte Ylva-li leise, "wenn Salikons Rosen welken - werde ich tot sein."
Ich sprang auf mein Pferd und ritt davon, und die Tränen liefen mir über die Wangen. Ich ritt, so schnell ich konnte. Ylva-li jagte auf ihrem Pferd hinter mir her. Wir ritten so schnell, dass Goldfunken und Silberfunken nass von Schweiß waren, als wir zum Goldenen Saal zurückkamen.
Nicko hatte uns herrliche Pfannkuchen gemacht. Wir saßen auf dem Fußboden vor dem Kaminfeuer und aßen sie. Ruff und Duff sprangen um uns herum. Unsere Kaninchen kamen angehoppelt und wollten auch dabeisein. Schließlich musste ich nach Hause gehen. Ylva-li brachte mich zur Tür. Wir umarmten uns fest zum Abschied.
"Komm bald wieder, Allerliebste Schwester", sagte Ylva-li.
Dann ging ich zur Tür hinaus und fort durch den Gang und stieg die Treppe hinauf. Ich hörte, wie Ylva-li mir noch einmal nachrief:
"Komm bald wieder, Allerliebste Schwester!"
Als ich ins Kinderzimmer kam, war Mama dort und brachte meinen kleinen Bruder ins Bett. Sie war ganz weiß im Gesicht, als sie mich sah, legte sie meinen Bruder schnell hin und lief mir entgegen. Sie nahm mich in die Arme und weinte und sagte:
"Liebling, wo bist du nur gewesen? Wo bist du den ganzen Tag gewesen?"
"Hinter dem Rosenbusch", sagte ich.
"Gott sei Dank, oh, Gott sei Dank, dass du wieder da bist!" sagte Mama und küsste mich. "Wir haben solche Angst um dich gehabt."
Und dann sagte sie: "Du weißt noch gar nicht, was Papa heute für dich mitgebracht hat."
"Nein, was denn?" fragte ich.
"Sieh mal in deinem Zimmer nach", sagte Mama.
Ich lief hin, so schnell ich konnte. Und da, in einem Korb neben meinem Bett, lag ein kleiner schwarzer Pudelwelpe und schlief. Er erwachte und sprang auf und bellte. Das war der süßeste Hund, den ich je gesehen hatte. Ja, er war tatsächlich noch süßer als Ruff dort unten im Goldenen Saal. Er war eben lebendiger, das war er.
"Er gehört dir ganz allein",sagte Mama.
Da nahm ich ihn auf meinen Arm, und er bellte und war ganz wild und versuchte, mein Gesicht zu lecken. Ja, er war der süßeste Hund, den ich je gesehen habe.
"Ruff heißt er", sagte Mama.
Das war doch seltsam, nicht ?
Ich hatte Ruff so lieb und war so froh über ihn, dass ich nachts kaum schlafen konnte. Ruff lag in seinem Korb neben mienem Bett. Manchmal wimmerte er ein bisschen im Schlaf.
Ruff gehörte nur mir.
Heute morgen, als ich in den Garten kam, sah ich, dass salikons Rosen verwelkt waren. Und ein Loch gab es auch nicht mehr in der Erde."
~Astrid Lindgren; Märchen~
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